Frontotemporale Demenz: Das ist die Krankheit, an der Bruce Willis leidet
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Vor knapp einem Jahr beendete Bruce Willis seine Schauspielkarriere. Nicht weil er wollte, weil er musste. Im Frühjahr 2022 wurde bekannt, dass bei dem Actionstar eine Aphasie diagnostiziert worden war, die seine kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt (mehr dazu hier). Nun erklärte die Familie, dass die Krankheit weiter fortgeschritten sei. Es gebe nun eine genaue Diagnose. Demnach leidet der Schauspieler an Frontotemporaler Demenz. Das sind die wichtigsten Fakten zu der seltenen Krankheit.
Was versteht man unter Frontotemporaler Demenz?
Es handelt sich hierbei um eine seltene, aber schnell fortschreitende Demenzform. Bei einer Frontotemporalen Demenz sterben Nervenzellen ab. In erster Linie sind Nervenzellen in Stirn- und Schläfenbereich betroffen. Das ist der Bereich des Gehirns, in dem laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter anderem Emotionen und Sozialverhalten kontrolliert werden.
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Wie äußert sich diese Demenzerkrankung?
Veränderungen der Persönlichkeit, aber auch im zwischenmenschlichen Verhalten begleiten fast alle Patient:innen in den Anfängen der Krankheit. Zunächst zeigt sich das oftmals in einer Art Larifaritum. Die Betroffenen werden immer oberflächlicher, sorgloser, aber auch unbedacht. Sie sind reizbarer, mitunter aggressiv und zunehmend taktlos im sozialen Miteinander. Außerdem verlieren sie ihren Antrieb, haben keine Lust mehr auf ihre Hobbys und auch an allem anderen verlieren sie immer mehr das Interesse.
Manche kümmern sich nicht mehr um ihre Hygiene, andere haben ständig Heißhunger. Mit Fortschreiten der Krankheit sind Sprachstörungen typisch – Wortfindungs-, Benenn- und Sprachverständnisstörungen. Die Erkrankten sprechen immer weniger, im schlimmsten Fall verstummen sie gänzlich. Später kommt es zu eingeschränkten Gedächtnisleistungen, auch Bewegungsstörungen sind möglich. Völlige Pflegebedürftigkeit im Endstadium ist möglich.
In welchem Alter erkrankt man in der Regel?
In der Regel beginnen Frontotemporale Demenzen zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr. Die Krankheit kann aber auch viel früher ausbrechen – zwischen dem 20. und 85. Lebensjahr.
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Frontotemporale Demenz kann vererbt werden
Wie viele Menschen sind von Frontotemporaler Demenz betroffen?
Ende 2021 waren etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz erkrankt. Ungefähr einer von zehn Demenzerkrankten leidet an Frontotemporaler Demenz. In etwa 10 bis 15 Prozent ist die Krankheit genetisch bedingt, weiß das Deutsche Zentrum für Neurodegerative Erkrankungen (DZNE). Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.
Warum ist es so schwierig, diese Demenzform zu diagnostizieren?
Ein Mensch verändert sich, ist plötzlich rüpelhaft, sozial schwierig – auf Demenz kommen viele bei solchen Persönlichkeitsveränderungen erst einmal nicht. Aufgrund der Symptome in der Anfangszeit der Erkrankung wird die Frontotemporale Demenz nicht selten mit psychischen Störungen verwechselt. Dazu zählen Burn-Out, aber auch Depression, bis hin zu Schizophrenie und Manie.
Wie wird die Krankheit behandelt?
Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Warum die Nervenzellen absterben, ist bisher noch nicht ausreichend geklärt. Medikamente wurden und werden zwar in Studien geprüft, bisher gibt es aber keine zielgenaue Behandlungsmöglichkeit. Stattdessen werden meist die psychischen Auswirkungen der Krankheit, also die Verhaltensauffälligkeiten, therapiert. Dabei kommen unter anderem Antidepressiva zum Einsatz, welche die Launen regulieren und die Antriebslosigkeit mildern. Auch Bewegung und Kreativität können helfen. Allerdings sehen die Patient:innen meistens nicht ein, dass sie krank sind, und wollen sich entsprechend auch nicht therapieren lassen.
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Schnell fortschreitende Demenzform
Was weiß man über die Krankheitsdauer von Frontotemporaler Demenz?
Die durchschnittliche Krankheitsdauer ab den ersten Symptomen bis zum Tod beträgt laut Deutsche Alzheimer Gesellschaft acht Jahre. Allerdings handelt es sich dabei um eine Durchschnittszeit. Es gibt Erkrankte, die mit dieser Demenzform noch 15 Jahre lang leben, bei anderen verläuft die Krankheit rascher und sie dauert nur zwei Jahre.
Wie wirkt sich die Krankheit auf Angehörige aus?
Ist ein Mensch an Frontotemporaler Demenz erkrankt, ist ein Auskommen mit ihm meist extrem schwierig. Angehörige sehen sich unangenehmen Wesenszügen wie Aggression, Unberechenbarkeit und fehlende Empathie ausgesetzt. Belastend ist für die Nächsten auch, dass sich die Beziehung zu der erkrankten Person verändert, da diese zunehmend das Interesse an seinem Gegenüber verliert.
Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, DZNE, MSD Manual
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