Ärztin erklärt, wie riskant es ist, dauerschwanger zu sein

Mit einem Video wurde eine Amerikanerin über Nacht zum Tiktok-Star – denn die Frau hat tatsächlich 15 Kinder bekommen und war insgesamt fast über 26 Jahre hinweg  schwanger. Eine Ärztin klärt auf, welche Risiken damit verbunden sind.

Über neun Millionen Mal wurde das Video von „Momma Hona 15“ bereits auf Tiktok angeklickt. Das Besondere daran: Tanzend zeigt die Amerikanerin darin zum Song „Mother“ von Megan Trainer die Jahreszahlen, in denen Sie schwanger war: nämlich von 1993 bis 2019. Nur 2003 und 2017 legte sie einer Schwangerschaftspause ein. Insgesamt erstreckten sich ihre Schwangerschaften also über 26 Jahre hinweg. Eine schier unglaubliche Zahl, zumal die heute 49-jährige Amerikanerin unfassbar schlank, fit und sportlich aussieht.

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Ärzte empfehlen mindestens ein Jahr Pause zwischen Schwangerschaften

Viele User fragen sich daher, wie eine Frau, die so viele Kinder bekommen hat, so fit sein kann. „Sie sieht nach 15 Kindern besser aus als ich nach einem“, kommentiert eine Userin beispielsweise. Doch so viele Schwangerschaften stellen bei weitem nicht nur für die Figur ein Risiko dar – vor allem, wenn Zeitabstände zwischen einer Geburt und einer erneuten Schwangerschaft nicht groß genug sind.

„Wir weisen unsere Patientinnen immer nach einer Geburt darauf hin, dass es empfohlen ist, mindestens ein Jahr zu warten, bevor sie erneut schwanger werden“, erklärt Ariane Kunstein, Gynäkologin und stellvertretende Bezirksvorsitzende in München des Verbands der Frauenärzte (BVF) im Gespräch mit FOCUS online.

Organismus braucht Zeit, sich zu erholen

Zum einen seien die Reserven im Körper an Eisen-, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen nach Schwangerschaft und Stillzeit aufgebraucht. „Um optimal in eine neue Schwangerschaft zu starten, sollten diese Speicher wieder einigermaßen aufgefüllt sein“, erklärt Kunstein weiter. Denn diese Nährstoffe sind wichtig für die gesunde Entwicklung des Babys im Mutterleib.

Zum anderen bräuchte der ganze Organismus Zeit, sich wieder zu normalisieren. „Durch die Schwangerschaft und den Einfluss der Hormone verändern sich ganz viele Prozesse im Körper – das betrifft das Immunsystem, die Pumpleistung des Herzens, den Zuckerstoffwechsel etc.“, betont Kunstein. „Bis sich alles wieder normalisiert hat, dauert es nicht nur sechs Wochen, also die Zeit des Wochenbetts, sondern sehr viel länger“, erklärt sie weiter.

Gewebe muss nach Schwangerschaft und Geburt wieder heilen

Jede Schwangerschaft beansprucht zudem auch das Beckenbodengewebe in starkem Maße: „Es können Verletzungen und Risse bei der Geburt auftreten – das muss alles erst mal heilen bis man erneut schwanger wird“, sagt Kunstein.

Außerdem könne es durch eine sehr rasche Schwangerschaftsfolge bzw. sehr viele Schwangerschaften sein, dass der Muttermund nicht lange genug und ausreichend fest geschlossen bleibt. Das sei meist Ausdruck einer Belastung bzw. von zu viel Druck auf den Muttermund. „Dadurch könne eine Frühgeburt auftreten“, erklärt Kunstein. 

Gefahr durch erschlaffte Gebärmuttermuskulatur nach der Geburt

Auch bestehe nach vielen Schwangerschaften die Gefahr, dass nach der Geburt sich die Gebärmutter-Muskulatur nicht ausreichend zusammenziehen kann. „Dadurch gelingt die Blutstillung nach der Entbindung nur unzureichend und es kann zu entsprechender Gefährdung der Mutter durch den Blutverlust kommen“, erläutert Kunstein. Dies könne lebensgefährlich sein und auch eine Entfernung der Gebärmutter notwendig machen.

Kaiserschnitte bergen ebenfalls Risiken, denn eine alte Kaiserschnittnaht kann beispielsweise durch Wehentätigkeit reißen. „Es kann aber auch während der Schwangerschaft eine stille Ruptur der alten Kaiserschnittnaht auftreten, was ebenfalls lebensgefährlich für Mutter und Kind sein kann“, führt Kunstein weiter aus. Mehr als drei Kaiserschnitte seien daher nicht empfehlenswert.

„Es gibt diese glücklichen Frauen, bei denen alles umkompliziert abläuft“

Wie die einzelnen Geburten bei „Momma Hona 15“ verlaufen sind, ist nicht bekannt. „Natürlich gibt es diese glücklichen Frauen, bei denen Schwangerschaft und Geburt völlig unkompliziert ablaufen“, erläutert Kunstein weiter. Ob „Momma Hona 15“ – ihren wirklichen Namen gibt sie nicht preis -, die schon Enkelkinder hat, noch weitere Kinder bekommen will, bleibt unklar. Bei einem ihrer Tiktok-Beiträge, beantwortet sie diese ihr wohl häufig gestellte Frage, nur mit einem geheimnisvollen „mmmh“.

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