Osterfeuer und Osterwasser – geweihte Urkräfte

Das Osterfeuer, an vielen Orten in der Nacht zum Ostersonntag entzündet, steht für geistige Erleuchtung und die Gegenwart Gottes. Das in der Osternacht geschöpfte Osterwasser symbolisiert Lebendigkeit verbunden mit Magie. Feuer und Wasser galten für die Menschen Jahrtausende lang – neben Erde und Luft – als Ursprung aller Existenz. In der Tat wäre die Entwicklung der Pharmazie ohne Feuer und Wasser nicht vorstellbar. 

Feuer gilt in vielen Religionen und Kulturen als heilig. Es wird häufig mit der Sonne oder mit Gott selbst gleichgesetzt. Die in der christlichen Osternacht üblichen Feuer gehen auf alte heidnische Bräuche zurück. Der Winter wurde auf diese Weise vertrieben. Im Christentum sind Feuerflammen ein Zeichen der Gegenwart Gottes und eine Erinnerung daran, dass sich Gott gegenüber Moses in einem brennenden Dornbusch offenbarte. 

Geweihte Kerzen

Auch in der Kunst und Malerei wurde das Feuer als Sinnbild für die „Anwesenheit Gottes“ häufig verwendet. Eng in Verbindung mit dem Osterfeuer steht die Tradition der Osterkerze. Eine große Kerze aus gebleichtem Bienenwachs wird im feierlichen Gottesdienst der Osternacht geweiht und am Osterfeuer entzündet. Die reine weiße Kerze verkörpert den Leib Jesu Christi nach der Auferstehung. Die Flamme stellt die Verbindung zum Göttlichen dar. Gemeinsam symbolisieren Osterkerze und Osterfeuer die Auferstehung Jesu. Feuer gilt, genauso wie Wasser, als reinigendes Element und steht damit ebenfalls mit Neu- und Wiedergeburt im Zusammenhang.

Wasser – Ursymbol des Lebens

Wasser wird in allen Weltreligionen als „Geschenk Gottes“ angesehen und als Ursymbol des Lebens. Im Christentum kommt dem Wasser wohl die wichtigste Rolle bei der Taufe zu. Sie bedeutet Hinwendung zu Christus und Aufnahme in die Kirche. Weihwasser gehört zu den Sakramentalien der katholischen Kirche. Die besondere Rolle des christlichen Osterwassers geht – wie beim Osterfeuer – auf einen heidnischen Brauch zurück. Der Tradition nach wird Osterwasser in der Osternacht oder am Ostermorgen vor Sonnenaufgang von jungen, unverheirateten Frauen aus einer Quelle oder einem fließenden Gewässer geschöpft. Es war Aufgabe der Frauen, das Wasser stillschweigend und am besten unbeobachtet zu schöpfen und ins Haus zu tragen. Nur so war es für lange Zeit konserviert und konnte seine heilenden, magischen Kräfte entfalten. Es gehörte zum Ritual früherer Zeiten, dass junge Männer versuchten, die Mädchen in der Osternacht von ihrer wassertragenden Rolle abzulenken, sie zu necken und zum Lachen zu bringen.

Osterwasser als Heilsbringer

Dem Osterwasser wurden früher viele Wirkungen zugesprochen. Wer sich damit wusch, bekam nicht nur besonders feine Haut, sondern wurde mit Schönheit und Gesundheit belohnt. Auch das Vieh, das man mit Osterwasser besprengte, gedieh besonders gut. Kindern, die mit Osterwasser getauft wurden, war ein besonderes Lebensglück beschieden. Das von einem katholischen Priester geweihte Osterwasser wurde vielerorts das ganze Jahr über als Taufwasser verwendet.  In Australien ist es bis heute üblich, dass Brautpaare das am letzten Osterfest geweihte Osterwasser aufbewahren und sich bei der kirchlichen Hochzeit damit besprengen. Das soll der Ehe besondere Festigkeit verleihen. 

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